Die Welpen wurden 6 Wochen alt

Die Welpen wurden 6 Wochen alt

Die Welpen des J-Wurfes wurden 6 Wochen alt und haben sich das folgende Gewicht angefuttert:

Rüde Joker (gelbes Halsband) 5 Kilogramm; Rüde Jasko (lila Halsband) 5290 Gramm; Rüde Jorah (blaues Halsband) 4970 Gramm; Rüde schwarzes Halsband 5080 Gramm; Rüde Jon Korda (rotes Halsband) 4920 Gramm; Hündin Jaaki (orangefarbenes Halsband) 4550 Gramm; Hündin Juma (pinkfarbenes Halsband) 4660 Gramm.

In einem Versuch wurden Hunde die ersten Lebensmonate in einer Umgebung gehalten, die sehr wenig Anreize für die Sinnesentwicklung bot. Im Vergleich zu Hunden, die in normaler richtiger Umgebung aufwuchsen, verhielten sie sich regelrecht hyperaktiv. Sie lernten auch viel schlechter. Wenn sie sehr aufgeregt waren, hatten sie eine deutliche Tendenz zu stereotypem Verhalten – das sind sich zwanghaft wiederholende Verhaltensweisen, wie z.B. das im Kreis drehen, lecken usw. Bestimmte Teile des Gehirns konnten sich nicht entwickeln. Dadurch kam es zur Hyperaktivität.

Sehr wichtig für die Entwicklung des emotionalen Gleichgewichts scheint auch die Loslösung von der Mutter zu sein. Normalerweise zieht eine reizreiche Umwelt die Aufmerksamkeit der Welpen immer mehr von der Mutter weg. Welpen, die in abwechslungsarmer Umgebung aufwachsen, neigen zu einer übermäßigen Bindung an die Mutter bzw. die spätere Bezugsperson. Das kann zu Trennungsängsten und allen damit zusammenhängenden Problemen führen, wie z.B. ständiges Bellen, Zerstören von Möbeln usw.

Eine Mutterhündin wie Heyli bevorzugt niemals einen ihrer Welpen, sie behandelt alle gleich gut oder gleich schlecht. Und immer sind Hündinnen dominant über ihre Welpen. Sie setzt Grenzen und lässt ihre Erziehungsmaßnahmen niemals zum falschen Zeitpunkt erfolgen.

Sobald sich das Gehör entwickelt hatte haben wir sie häufig angefasst, hoch gehoben und berührt. Wir spielten ihnen alle möglichen Geräusche vor, vor allem auch von schreienden Kindern, Staubsauger und Fön, da die meisten Hunde damit ein Problem haben. Diese Geräusche sollen in ihrem Unterbewusstsein gespeichert werden. Welpen, wie unsere, die auch in der Wohnung aufwachsen, hören schon alle möglichen verschiedenen Geräusche, vom Klingeln des Telefons über den Staubsauger bis hin zu Musik und Fußballübertragungen mit einem sich ärgernden Hilmar. Sie hörten regelmäßig Kaffeemaschine, Toaster, das Klappern von Kochtöpfen und herunterfallendem Besteck. Die Gewöhnung an diese typischen Haushaltsgeräusche lief oft einfach nebenher. Die Geräusche-CD lief ab der 3. LW erst leise und dann immer lauter werdend. Potenziell angstauslösende Geräusche wie Silvesterknaller, Gewitter, Schüsse, Rasenmäher u.a. sollten positiv verknüpft werden.

Durch unsere Baustelle wurden sie an Handkreissäge, Kettensäge, Stichsäge, Akkuschrauber, Hammergeräusche, Druckluftnagler u.v.a.m. gewöhnt und schliefen trotz dieser Geräuschkulisse ein. Auch der Rasenmäher spielte beim 2. Einsatz keine Rolle mehr.

Die Welpen bei Wildhunden werden von ihrer Mutter immer wieder zu Plätzen mit neuen Herausforderungen gebracht. Finden sie sich im flachen Grasland zurecht, folgt ein Umzug an eine Stelle mit kleinen Hügeln und Gräben. Dort tappen sie z.B. in ein Erdloch und müssen sich wieder herausarbeiten. Kommen sie auch damit klar, geht es in felsiges Gebiet. Sogar gezieltes Verschleppen einzelner Welpen an einen vom Wurf entfernten Ort ist als Stresstraining zu beobachten. Man gewinnt den Eindruck, die Wildhundeltern bringen ihren Nachwuchs gezielt in Situationen, in denen die bisherigen Verhaltensstrategien der Welpen zum Scheitern verurteilt sind. Ein Gefühl von Frustration ist dabei vorprogrammiert und der Motor des Lernens wird aktiviert. Löst sich der Frust durch eine Handlung in Erleichterung auf, hat der jeweilige Welpe eine wichtige Lernerfahrung gemacht.

Die Natur hat es offenbar so eingerichtet, dass ein Wechselspiel aus Neugier, Annäherung und Vermeidung sowie aus Herausforderung, Frustration und Erleichterung das Lernen und die Verhaltensentwicklung bestimmt. Das Aufwachsen in einer immer gleichen Umgebung ist unnatürlich, denn diese bietet zu wenige Möglichkeiten zur Exploration und Sozialisation. Eine solche notwendige emotionale Abhärtung ist also in reizarmen Aufzuchtstätten nicht möglich. Keine Frustrations- und Erleichterungsgefühle zu erleben bedeutet, keine Problemlösestrategien entwickeln zu können. Die Angst vor Veränderungen und neuen Situationen ist die Folge.

Welpen, die in ihren ersten Lebenswochen zu wenig erfahren, aushalten und lernen müssen bzw. dürfen, neigen später zur Vermeidung oder Überreaktion bei Konfrontationen mit neuen Reizen. Geringe Frustrationstoleranz und Inkompetenz in Alltagssituationen können langfristig in einer ganzen Reihe von Verhaltensproblemen ausarten. Dies ist übrigens nicht nur bei Hunden, sondern auch bei Menschen der Fall.

Sobald die Welpen aktiv ihre Umwelt erkunden, sind kleinere Abenteuerausflüge sinnvoll, anfangs noch mit Mama Heyli und Oma Gandhi, später in der 7./8. LW bleiben aber auch sie zu Hause. Wir führen deswegen seit gestern Betriebsausflüge mit unseren Welpen in fremdes Gelände bzw. an interessante Örtlichkeiten durch. Denn in der Gemeinschaft werden Belastungssituationen sehr viel leichter ertragen. Auch wird der angeborene Folgetrieb dadurch stark gefördert. Wir begeben uns mit Milena an die A 81 und konfrontieren die Welpen mit den vorbeirasenden Autos und den beeindruckenden riesigen und lauten Lastkraftwagen. Bei Gewittern oder anderen unangenehmen Dingen wie z.B. LKW kümmert man sich am besten nicht darum, so dass sich die eigene Gelassenheit und die der anderen Rudelmitglieder auf den Vierbeiner übertragen. Wir bleiben so lange neben der Autobahn, bis Kontaktliegen stattfand und sie eingeschlafen waren. Dann waren sie geprägt auf den Straßenverkehr. Hilmar ist allerdings am schnellsten eingeschlafen.

Umweltgewöhnung in Begleitung der Mutterhündin und der Welpenbetreuer ist sehr wichtig für die Entwicklung des Welpen. Frühe Erfahrungen in Probleme lösen und dabei Erfolg haben, helfen dem Hund später, schneller, selbständig und stressfreier Hindernisse zu überwinden oder Probleme zu bewältigen. Worauf es ankommt, ist, ob sie viele verschiedene Lebenserfahrungen machen oder ob sie den ganzen Tag nur die immer gleichen Dinge sehen und hören.

Die Welpenkäufer sollen ja ihr zukünftiges Familienmitglied so oft wie möglich besuchen kommen, um den Welpen mit ihrem Körpergeruch und ihrer Nähe vertraut zu machen. Sie können uns bei den kleinen Spaziergänge begleiten und durch die dabei gewährte Einzelbetreuung ihres Welpen diesem bereits erste Lernerfahrungen außerhalb der Gruppe ermöglichen. Toll ist es, wenn sie dies auch noch mit den Geschwistern ihres ausgesuchten Welpen tun. Ein weiterer Spaziergang / Ausflug führte uns zu Windrädern, die die Welpen allerdings überhaupt nicht interessierten. Heidi und Milena begleiteten uns.

Angst- und Fluchtverhalten sind für einen Hund/Wolf lebenswichtig. Damit sich Verhalten und Wesen eines Hundes richtig entwickeln können, muss er von Anfang an diese angeborene Angst vor dem Unbekannten immer wieder überwinden lernen. Die immer wieder neue Bewältigung der angeborenen Angst vor dem Unbekannten bedeutet für die Verhaltensentwicklung des Welpen, Situationen immer besser einschätzen zu können und zunehmend Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen. Diese gesammelten Erfahrungen führen dann nach und nach zu einer Reduzierung der Angst vor dem Unbekannten.

Was ein Hund nicht kennt, hat das Potential, auf ihn bedrohlich und Angst einflößend zu wirken. Die Natur hat unseren Hunden die Vorsicht eingebaut. Der Neugiermechanismus treibt die Welpen aber dazu, nicht einfach vor etwas Neuem davon zu rennen, sondern das Neue zunächst einmal auf dessen mögliche Gefährlichkeit hin zu überprüfen. Wenn man ihm die Chance gibt. Deklarieren wir deshalb einen ängstlichen Hund zum Helden, wenn er z. B. ein Hindernis überwindet, bewundern wir ihn spürbar, weil er mit allen vier Pfoten im Bach steht, zollen wir ihm uneingeschränkten Respekt, wenn er forsch auf einen bedrohlichen Gegenstand zugeht. Wir sehen an den folgenden Bildern wie Heyli und Gandhi die Welpen z.B. mit einem Stock vertraut machen.

Je mehr Situationen der Welpe kennen lernt, aber auch, je öfter er seine Angst zu überwinden lernt und das Hochgefühl verspürt, das ihn nach einer solchen bestandenen Mutprobe befällt, desto mehr wird sein Selbstbewusstsein gestärkt. Der Welpe wird selbstsicher, weil er lernt, mit Dingen richtig umzugehen.

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