Ein ereignisreiches Welpenwochenende liegt hinter uns

Ein ereignisreiches Welpenwochenende liegt hinter uns

6 LW alte Welpen entwickeln einen recht beachtlichen Betätigungsdrang und erstaunliche Aktivitäten und können auch sehr erfinderisch sein. Sie entdecken z.B., dass ihre Pfoten gut geeignete Grabwerkzeuge sind. Ein Erdhügel ist ein gefragtes Spielterrain, das viele Spielmöglichkeiten bietet.

Mit 6-7 Wochen werden die rauen Spiele der Welpen untereinander irgendwie geordneter. Es gibt schon gewisse Spielregeln. Sie zeigen auch immer deutlicher Angst in unbekannten Situationen. Allerdings überwiegt meist noch die Neugier und nach kurzem Zögern überwinden sie sich doch und trauen sich. Das Gehirn ist nun wie bei einem erwachsenen Hund entwickelt.

Da die Prägephase auf den Menschen in vollem Gange ist freuten wir uns sehr über zahlreiche Besuche. Auch das gemeinsame Ruhen mit den Welpen spielte weiterhin eine große Rolle.

Unsere Hundemutter Heyli erlaubt ihren Kindern das Nuckeln an ihren Zitzen nur noch selten. Dadurch lernen sie mit Frustration umzugehen. Auch wir sollten deshalb dem Welpen Grenzen setzen, damit er weiterhin lernt, mit Frustration umzugehen. Denn ist ein Hund dazu nicht fähig, kann es später zu ernsthaften Problemen kommen, die sich bis hin zur Aggression steigern können. Zum Grenzen setzen braucht man nicht streng zu sein, man braucht nicht schreien und/oder strafen, man muss nur konsequent sein. Eine einmal aufgestellte Regel wird auch eingehalten. Tabuzonen schaffen, in denen der Hund nichts zu suchen hat. Er kommt erst dann von der Leine, wenn er ruhig sitzt. Da wird kein Auge zugedrückt, wenn andere Hunde in der Nähe sind, zu denen er unbedingt will. Der Hund muss ihre aufgestellten Regeln einhalten und sei es nur aus dem Grund, dass er lernt, mit seiner Frustration umzugehen.

So ab der 6. Lebenswoche geht sie über zum „Benimm-Unterricht“. Sie sagt jetzt schon mal nein, wenn sich die Welpen ihr nähern und an ihren Knochen o.ä. wollen. Ein direktes Anschauen bedeutet, dass man nun Mama am besten nicht näher kommt. Dies wissen die Kleinen zunächst noch nicht. Unbekümmert nähern sie sich ihr weiter. Jetzt runzelt sie den Nasenrücken, knurrt und zeigt ihre schönen Zähne. Wenn die Welpen jetzt nicht auf Abstand gehen, macht sie schon einmal eine Schnappintention. Spätestens jetzt sind die Welpen endlich eingeschüchtert und ziehen ohne Futter von dannen. Dieses Vorgehen, das uns Menschen oft hart und ungerecht vorkommt, ist eine sehr wichtige Lektion für einen jungen Hund. Nach einigen Wiederholungen hat er gelernt, dass schon das drohende Anschauen bedeutet: Abstand halten oder Individualdistanz einhalten. Jeder Hund muss Grenzen kennenlernen und dies geschieht am besten durch die Mutter und/oder gut sozialisierte Althunde.

In derselben Lektion lernt der Welpe auch bereits Beschwichtigungsgesten sinnvoll einzusetzen. Er entdeckt nämlich, dass Verhaltensweisen wie sich klein machen, die Ohren anlegen, eine Pfote hochheben, wegschauen oder auf den Rücken rollen den Zorn der Mutter oder anderer älterer Rudelmitglieder besänftigen. Die so gelernten Signale über die Hunde untereinander im Spiel. Sie lernen, wie die Geschwister reagieren, wenn sie mal laut knurren oder auf den Rücken werfen und sich nicht mehr bewegen. Hier werden in den Wochen beim Züchter nur die Grundlagen gelegt. Der neue Besitzer muss dafür sorgen, dass sein Welpe viele andere Hunde trifft, um seine Sprache weiter trainieren zu können.

Eine erzieherisch tätige Mutter wird außerdem mit einzelnen Welpen üben stillzuhalten, indem sie ihrem Nachwuchs über die Schnauze fasst oder ihn mit ihrer Pfote fixiert. Dieses Verhalten lässt sie vor allem den Welpen zuteilwerden, die im Spiel mit ihr besonders wild und ungehemmt agieren. Sie wird vielleicht demonstrativ einen Knochen nehmen und die Welpen wegknurren. Je mehr sie mit ihren Welpen spielt und sie dabei erzieht, desto öfter wird jeder der kleinen Zwerge die Erfahrung machen müssen, dass er gerade einmal nicht tun darf, was er eigentlich möchte. Ein Einzelwelpe kann die Frustrationstoleranz nur schwer erlernen.Das Gleiche sollte mit dem sog. Schnauzengriff geübt werden. Es reicht, ihn daran zu gewöhnen, dass er eine sanft von oben über seinen Fang greifende Hand akzeptiert und still wartet, bis man die Hand wieder wegnimmt. Er soll lernen, das Stillhalten nicht nur widerwillig zu ertragen, sondern sich dabei auch zu entspannen.

Gewöhnen sollte man die Welpen auch an andere Tiere wie Pferde, Kühe, Schafe, Ziegen und Geflügel. Dabei geht es nur darum, dass sie die Erfahrung machen: „Aha, so was gibt es also auch auf dieser Welt“. Verstärken kann man dies, wenn man den Welpen auf dem Arm hält und ihm das Tier so nah wie möglich zeigt.

Das Verhältnis zu Haustieren kann man gut über positive Verstärkung lenken. Wir belohnen erwünschtes und ignorieren unerwünschtes Verhalten. So können keine negativen Verknüpfungen entstehen. Wir belohnen z.B. unseren kleinen Hund, während er das Kaninchen oder die Katze nicht beachtet. Die Sozialisierung gilt jedoch nur für das eigene Tier und noch lange nicht für alle anderen. Dafür müsste mit vielen verschiedenen Tieren geübt werden. Wir bedanken uns auf diesem Wege bei Iris, die uns wieder ihr passendes Trainingsgelände mit Geflügel, Pferd und verschiedenen Hunden auf dem Ahornhof zur Verfügung stellte. Und auch einige der baldigen Welpenbesitzer fand sich zu diesem wertvollen Sonntagstraining ein.

Dass Menschenbabys erst einmal sprechen lernen müssen, weiß jeder. Den meisten Menschen ist auch klar, dass sie nicht von Anfang an jedes Wort verstehen. Dass dies aber bei Hunden in Bezug auf ihre eigene Muttersprache genau so ist, ist den meisten Menschen eigentlich nicht klar. Aber auch Hundewelpen verstehen nicht von Anfang an alle Signale der anderen Hunde. Zwar sind verschiedene Gesten, wie z.B. das Runzeln des Nasenrückens, angeboren, was das aber bedeutet und wie man es sinnvoll in der Kommunikation einsetzt, müssen die Welpen erst lernen. Und diesbezüglich hat die Natur ein sinnvolles Lernprogramm eingerichtet, welches wir bedienen müssen.

Hinzu kommt, dass Hunde im Gegensatz zu fast allen anderen Tierarten das Problem haben, dass es in ihrer Muttersprache unzählige viele Dialekte gibt. Ein Schäferhund spricht ganz anders wie ein Mops. Ein Rhodesien Ridgeback hat ständig gesträubte Nackenhaare und dies ist kein Ausdruck einer Emotion. Ein junger Hund entwickelt somit nur dann einen sicheren Umgang mit anderen Hunden, wenn er es mit ihnen trainieren konnte. Ansonsten entwickeln sich vor allem Aggressionsprobleme an der Leine.

Viele Hunde reagieren mit Vorsicht oder sogar Meideverhalten auf Querstrukturen wie Gitterröste o.ä. Haben Hunde im Welpenalter die Gelegenheit gehabt, solche Querstrukturen als etwas Selbstverständliches einzuordnen, haben sie damit keine Probleme.

Für die Gesamtfunktion des Gehirns spielt das Gleichgewichtssystem eine außerordentliche Rolle, denn es bestehen enge Verbindungen zu anderen Sinnessystemen wie z.B. dem Sehen, Hören und Tasten. Es ist maßgeblich daran beteiligt, dass der Organismus mit all seinen Sinnen als Ganzes zusammenwirkt und entwickelt sich bereits im Mutterleib. Bereits im Welpenalter sollten sie deshalb Gelegenheit haben, entsprechend ihrem fortschreitenden Reifegrad, solche Herausforderungen selbständig aufsuchen und eigenaktiv bewältigen zu können.

Aus der Fähigkeit, Ungleichgewicht in Gleichgewicht und damit Unsicherheit in Sicherheit zu wandeln, erwächst Bewältigungsfähigkeit und lässt ein sicheres Wesen entstehen. Wir begeben uns mit den Welpen auf das Trampolin und hüpfen ganz gemächlich, so dass sie dabei sogar einschlafen.

Ein Wackelbrett oder Wackelkreisel ist die beste Frühförderung für Welpen, denn bereits im Alter von etwa 4-5 LW gelingt es dem Welpen aus völlig eigenem Tun, die von ihm selbst verursachten Wackelbewegungen einigermaßen auszugleichen. Der Erfolg des eigenen Handelns und die Lust am eigenen Können fördern weiter seine Neugier und Aktivität. Es findet eine Selbstbelohnung statt, die ihn ermutigt, nach und nach noch höhere Herausforderungen anzunehmen. Zum Ausgleich der selbst erzeugten Wackelbewegungen wird der Gleichgewichtssinn herausgefordert. Damit werden gleichzeitig nahezu alle anderen Sinne des Organismus geweckt und ihre zahlreichen Einzelleistungen mehr und mehr zu einer Gesamtleistung zusammengeführt. Lernen findet hier auf ganz verschiedenen Ebenen und in höchst intensiver Weise statt und Lernen ist umso wirkungsvoller, je mehr Sinne beteiligt sind.

Die besten Voraussetzungen dazu bietet ein sinnreicher Abenteuerspielplatz, wie wir ihn bei uns aufgebaut haben. Dessen Herausforderungen müssen mit dem schnellen Entwicklungsverlauf der Welpen mitwachsen. Er muss immer wieder abwechslungsreiche und lustvolle Lernmöglichkeiten bieten. Und von großer Bedeutung ist dabei der bereits erwähnte eigenaktive Aufbau der Körperbeherrschung. Denn diese vermittelt das nötige positive Grundgefühl für den psychischen Selbstaufbau. Zugleich ist das Entwickeln der (Psycho) Motorik der Grundstein für die allgemeine Entwicklung des Gehirns. Zentral ist bei alle- dem ein zunehmendes Beanspruchen des Gleichgewichtssinns. Und als Königssinn weckt er gewissermaßen alle anderen Sinne, wie Tast-, Hör-, Seh-, und Geruchssinn, und vernetzt diese.

Besonders freuten wir uns über den Besuch von Django, dem Vater unserer J-Welpen und seiner Familie um Frank und Anja, die sehr angetan waren von den Welpen.

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