Die Welpen wurden 7 Wochen alt

Die Welpen wurden 7 Wochen alt

Da ich nur in der Nacht Zeit für die Berichte von unseren Welpen habe und leider nicht an den PC konnte, da Iris im PC-/Hundezimmer nächtigt und früh schlafen geht, komme ich erst heute dazu, Euch etwas auf dem Laufenden zu halten.

Joker wiegt jetzt 6890 Gramm, Jasko sogar 7560 Gramm, Jorah auch schon 7400 Gramm, Joe 7090 Gramm, Jon-Koda 6680 Gramm, Jaaki 6250 Gramm und Juma 6650 Gramm.

Ab der 5. LW entwickeln die Welpen Angst vor Unbekanntem. Etwa in der 7.LW halten sich Neugierde und Angst die Waage, danach überwiegt die Angst. Im Alter von 7 Wochen können Welpen deshalb auf fremde Personen und Objekte mit steigernder Furcht reagieren. Das Einsetzen des Gefahrenvermeidungsverhaltens ist beim Wolf bereits am 19. Tag und bei Hunden durchschnittlich erst am 49. Tag, es gibt jedoch rasseabhängige Unterschiede. Diese Angstphase erreicht ihren Höhepunkt mit 12 Wochen. Kauen lindert Angst oder Langeweile und es können Spannungen abgebaut werden. Da die Welpen in dieser Phase die Nähe vertrauter Personen suchen, müssen wir diese Zeit für die soziale Bindung an uns nutzen. Mit einer der Gründe, den Welpen mit 8 Wochen zu sich zu holen.

Schäferhunde haben i.d.R. ein stabileres Wesen als viele andere Rassen. Man trifft bei ihnen wohl deshalb auch nur selten phobisches Verhalten an.

Das Gähnen des Hundes druckt einen Konflikt aus zwischen 2 entgegen gesetzten Verhaltensweisen. Wir gähnen zwischen Wachbleiben und Einschlafen, wenn der Hund z.B. bei einer Umerziehung viel gähnt, hat man das Ziel bald erreicht. Gähnen ist aber auch ein Beschwichtigungssignal. Beschwichtigungssignale sind angeboren. Wer einen beschwichtigenden Hund korrigiert oder bestraft, weil er dessen Verhalten als Ungehorsam auslegt, hat keine Ahnung. Ein so behandelter Hund sucht den Konflikt oder verlernt seine Beschwichtigungssignale.

Nach wie vor lassen wir unsere Pfeife ertönen, wenn es Futter gibt, so dass ein sicheres Herankommen für die neuen Welpenbesitzer vorhanden ist.

Joe von der Schüpfer Hexe lernte auch seine neuen Besitzer (zumindest einen Teil davon) kennen. Hannelore besuchte uns mit ihrer Tochter. Sie sind wohnhaft am Bodensee.

Jeder Welpe muss die Erfahrung machen, dass nicht jeder ältere Hund eine getreue Kopie eines anderen gleichaltrigen Hundes ist, sondern dass jeder Artgenosse nun einmal in seinem Wesen anders ist. So verlangt der eine die Unterwerfung bereits auf den ersten Blick hin und ein anderer begnügt sich, wenn man ihm gegenüber nur eine Andeutung dessen macht, was man zum Ausdruck bringen will. Die Welpen erfahren, dass der Althund nichts Böses will, wenn sein mächtiger Fang das kleine Köpfchen umfasst. Es ist dies ein Zeichen von Wohlgesonnenheit, die der Ranghohe auf diese Weise kundtut.

Deswegen ist es schlecht, wenn der Welpe nur seine Mutter in den ersten 8 LW kennenlernen konnte. Er wird viele Konflikte mit fremden Hunden haben, Welpen gegenüber ausgesprochen unfreundlich sein und diese so frustrieren, dass sie auch wieder Angst vor erwachsenen Hunden bekommen. Wir freuen uns deshalb immer über Mensch-/Hundebesuch, so wie bei Alfred und seiner Slinky. Und auch die Prägung auf den Menschen wird nicht vernachlässigt durch Hilmars Verwandtschaft. Denn bei unseren Haushunden scheint eine genetische Information mit folg. Inhalt vorzuliegen: „Großes aufrecht Stehendes oder Großes auf mich Zugehendes bedeutet Gefahr, deshalb Verhalten auf Flucht einstellen. Der Verhaltensforscher Jan Dunbar ist der Meinung, dass ein Welpe in seinen ersten 12 LW ungefaähr 100 verschiedneen Menschen kennenlernen sollte.

Bei einem gesunden Hund wird gefühlsmäßige Aufregung folgendermaßen reguliert: Das sympathische und das parasympathische Nervensystem funktionieren wie ein Thermostat, das Körper- und Gehirnfunktionen auf optimalem Niveau hält. Wenn aber die Kreisläufe sich nicht normal entwickeln konnten, die diesen Rücklauf voll Informationen ständig auswerten, dann können Körper und Gehirn außer Kontrolle geraten. Es gibt viel zu viele Hunde, deren Gefühlsleben dauerhaft gestört ist, weil ihre sich in Entwicklung befindlichen Gehirne nicht die passende Umgebung für ein gesundes Aufwachsen hatten.

Wir konfrontieren die Welpen mit Fahrzeugen, denen sie in ihrem Hundeleben sicherlich einmal begegnen.

Oft wird angenommen, dass ein Welpe auf eine spezielle motorische Fähigkeit wie z.B. über eine Leiter gehen, ein Leben lang zurückgreifen könne, was falsch ist. Er muss so etwas weiterhin regelmäßig üben. Eine Prägung erfolgt diesbezüglich nicht. Wir nutzen wie so oft unsere Baustelle für spontane Hindernisbewältigung.

In einem Versuch wurden Hunde die ersten Lebensmonate in einer Umgebung gehalten, die sehr wenig Anreize für die Sinnesentwicklung bot. Im Vergleich zu Hunden, die in normaler richtiger Umgebung aufwuchsen, verhielten sie sich regelrecht hyperaktiv. Sie lernten auch viel schlechter. Wenn sie sehr aufgeregt waren, hatten sie eine deutliche Tendenz zu stereotypem Verhalten – das sind sich zwanghaft wiederholende Verhaltensweisen, wie z.B. das im Kreis drehen, lecken usw. Bestimmte Teile des Gehirns konnten sich nicht entwickeln. Dadurch kam es zur Hyperaktivität.

Eine sterile und reizarme Umgebung kann somit das emotionale Heranreifen eines Hundes so stark behindern, dass er niemals in seinem Leben mit irgendeiner Art von Stress umgehen kann.

Wie man aus der neueren Hirnforschung weiß, entwickeln sich Hirnstrukturen abhängig davon, wie das Gehirn genutzt wird. Je mehr sich das Welpengehirn durch Stresssituationen und z.B. wiederholtes aufgedrehtes Toben auf das Erleben hoher Erregungszustände einstellt, desto unwichtiger werden Verschaltungen für Selbsthemmung und Impulskontrolle. Je stärker die Grundausstattung des Welpen also bereits die Aktivierung des dopaminergen Systems vorsieht, desto größer wird die Gefahr, dass er als unkontrollierter Zappelphilipp endet. Deswegen ist Vorbeugen immer leichter als heilen.

Wir führen auch deswegen immer wieder Betriebsausflüge mit der Hündin und ihren Welpen in fremdes Gelände durch. Bahngleise mit Zügen, eine Wiese, die gerade abgemäht wird, Holzstapel, kleine Wäldchen etc. sind unsere Ziele.

Denn in der Gemeinschaft mit den Geschwistern und Mutter Heyli und uns werden Belastungssituationen sehr viel leichter ertragen. Auch wird der angeborene Folgetrieb dadurch stark gefördert.

Bereits im Welpenalter unterbrechen wir das intensive Schnuppern an Wildfährten mit einem klaren „Nein“. Tun wir das nicht, speichert sich der Geruch von Wildtieren im Gehirn des Kleinen ab.

Auch wenn Welpen häufig Beschwichtigungssignale gegenüber den Erwachsenen zeigen, kann es ihnen trotzdem passieren, dass sie von den Alten eine „auf’s Dach“ bekommen, wenn sie zu viel herum schleimen. Eine andere Reaktion auf die Nervensägen ist gar nichts zu tun oder den Kopf wegzudrehen.

Beim Einüben von Ritualen zum „Fair Play“ lernen sie schon vom Welpenalter an, was erlaubt ist und was nicht, und welche sozialen Erwartungen und Vorstellungen ihre Spielpartner haben. Sie erfahren, dass die Möglichkeit besteht, verletzt zu werden, entsprechend dem Sprichwort: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“.

Für Wolfseltern ist es selbstverständlich, dass sich ihre Welpen auch mal individuell entwickeln dürfen. Deswegen muss der Hund auch mal Hund sein dürfen. Wir brauchen ihn nicht ständig kontrollieren oder an ihm herumfuhrwerken oder ihm ein 24 Stunden-Animationsprogramm bieten. Er muss auch einmal etwas eigenständig entscheiden dürfen.

Besonders Jungtiere, deren Bänder, Sehnen und Knochen noch nicht voll entwickelt sind, brauchen viel Schlaf, da dieser zum seelischen Gleichgewicht beiträgt. Unser Welpe benötigt also einen ruhigen Platz, auf den er sich zurückziehen kann, wann immer er will.

Zur Kommunikation unter Welpen und Junghunden gehört auch der Austausch von aggressiven Drohsignalen. Hunde müssen sich in ihrer Sprache ausdrücken dürfen, ohne vom Menschen ständig manipuliert zu werden. „Nur nett spielen ist erlaubt oder wenn der Hund knurrt, muss ich sein Verhalten sofort umkonditionieren“ missachtet jegliche Regel hundlicher Verständigung.

Durch das gegenseitige Schmerzzufügen entwickelt sich eine gehemmte Aggressionsbereitschaft. Das kann man schön beobachten beim sog. Maulringen – das dem „Waffen zeigen“ entspricht, weil die Zähne gezeigt werden, es aber nicht zugebissen wird. Der Prozess der Beißhemmung vollzieht sich nicht von einem Tag auf den anderen, sondern erstreckt sich schon einmal über mehrere Wochen. Mit einem verbalen „Aua“ und dem entsprechenden mimischen Ausdruck zeigen wir einem zubeißenden Welpen, dass wir das gar nicht toll finden. Das machen wir so lange, bis der Welpe die Rituale gelernt hat, die auch Hunde untereinander zeigen. Wenn es zu heftig wird, ist durchaus auch ein schneller Schnauzengriff, ein Wegschubsen oder eine lautere Stimmlage angebracht. Hunde müssen lernen, dass unsere Haut dünner und empfindlicher ist als die von Artgenossen.

Hundewelpen, die in dieser entscheidenden Entwicklungsphase keine Beißhemmung lernen durften, weil der Mensch das Welpengerangel als zu unwirsch betrachtete, haben später im Umgang mit Artgenossen sehr oft Probleme, sich in eine soziale Gruppe einzufügen. Kanidenwelpen haben im jungen Alter die höchste Aggressionsstufe ihres Lebens, weil sie noch keine Beißhemmung gelernt haben. Deswegen halten sich die Wolfseltern heraus, wenn die Welpen ständig am Rangeln, Kämpfen und sich Beharken sind. Solche Rangeleien gehen mit sehr viel Gebrüll und Geschrei umher. Es klingt, als würden sich alle gegenseitig umbringen. Wir trennen die kleinen Raufer deswegen nicht selbständig, weil diese durch die gegenseitige Schmerzzufügung lernen müssen, die Hemmungslosigkeiten zurückzufahren und vorsichtiger miteinander umzugehen.

Wolfswelpen werden in der Höhle recht häufig alleine gelassen und heulen dann schon mal ganz jämmerlich. Sie lernen jedoch, dass man auch einmal warten und Frust ertragen lernen muss. Dies gehört zur normalen Lebenserfahrung dazu.

Mit ca. 6 Wochen bringen wir den Welpen anbahnend bei, kurz alleine zu bleiben. Denn lehrt man einem Welpen bereits in der Phase, in der sich die wichtigsten Lebensmuster in sein Gehirn brennen, für kurze Zeit in einer Box zu bleiben, dann lernt er, dass es zu den Verhaltensweisen seines Rudels gehört, gelegentlich etwas Zeit alleine zu verbringen – obwohl einem Hund dies genetisch vollkommen fremd ist. Sie müssen auch daran gewöhnt werden, einmal ohne die Mutter und Geschwister klar zu kommen. Wir füttern in der Box, werfen Leckerlis hinein und lassen sie darin einschlafen.

Wenn sich der Hund vor unsere Füße legt, handelt es sich um eine besondere Form des sozialen Kontaktes, vergleichbar mit dem Verhalten, wenn er seinen Kopf auf unser Knie oder in unseren Schoß legt. Er sucht unsere Nähe und darüber können wir uns freuen.

Beim Zerrspiel gewinnt normalerweise der Hartnäckigste und zwar völlig unabhängig von Rang und Geschlecht. Erwachsene Tiere lassen junge Tiere gelegentlich bewusst gewinnen, um sie bei Laune zu halten.

Es den Alten gleichzutun ist ein Bestreben, das man bei jungen Hunden immer wieder beobachten kann. Umweltstrukturen haben einen großen Einfluss, nicht nur auf die seelische, sondern auch auf die körperliche Entwicklung der Welpen.

So mancher Welpe entwickelt schon früh eine Vorliebe für Wasser, wenn er beim Züchter bereits ein Planschbecken o.ä. zum Spielen zur Verfügung hatte. Später wird er sich über jede Gelegenheit freuen, ins Wasser springen zu dürfen.

Die Dinge sind oft nicht so, wie sie scheinen. Wie soll man wissen, dass die glänzende, teilweise mit grünen Pflanzen bedeckte Wasseroberfläche nicht begehbar ist? Natürlich weiß es der Welpe nicht, rennt weiter und fällt in den Teich. Zum ersten Mal im Leben schwimmt er. Die Erfahrung ist neu und ganz sicher beängstigend, aber automatisch macht der Welpe solche Schwimmbewegungen, die ihn vorwärts treiben. Wie alle Säugetiere taucht der Hund immer mit dem Kopf auf und kann ihn schon aufgrund seiner natürlichen Haltung über Wasser halten. Er ertrinkt nur, wenn er sich vor Erschöpfung nicht mehr bewegen kann und infolge fehlender Bewegung untergeht.

Alle Hunde können schwimmen, aber nicht alle tun es freiwillig. Darin gleichen sie den Menschen. Manche mögen Wasser und gehen gern schwimmen, andere gehen vergnügt ins Wasser, planschen aber nur mit den Pfoten im Wasser und bleiben auf festem Grund. Andere wiederum meiden das Wasser, wo sie nur können. Beim Schwimmen geht es zunächst um die Überwindung einer natürlichen Hemmung, die mit der angeborenen Angst vor Unbekanntem zu tun haben dürfte. Erst wenn durch Gewöhnung und positive Erfahrung die Neugier immer mehr die Angst verdrängt, kann man sich dem nächsten Hemmnis widmen. Dieses besteht darin, den Boden unter den Füßen zu verlieren und womöglich Lageverlust zu erleiden. Die Bewältigung hängt von der Bindung zum Fürsorgegaranten ab und der richtigen Lerngelegenheit, der passenden Lernsituation und der passenden Jahreszeit.

Folgende Beobachtung hat uns dies sehr anschaulich gezeigt: Wir haben mit unserem Wurf über eine Holzdiele die Schüpfbach überquert, da waren sie so 6-7 LW alt. Sie drängelten und schubsten sich, so dass einige in den kleinen Bachlauf fielen und jämmerlich schrien. Wir dachten, dass wir sie vor dem Ertrinken retten müssen, stellten jedoch fest, dass die Mutterhündin Inci am anderen Ufer nur wartete und nichts unternahm. Also warteten auch wir schweren Herzens und was geschah: Die Welpen hörten auf zu schreien, suchten sich einen Weg aus dem Wasser und folgten ihrer Mutter am anderen Ufer. Sie hatten dadurch sehr viel gelernt und wir auch.

Ich muss jetzt aufhören. Iris will schlafen gehen. Ich kann die Berichte somit nicht mehr kontrollieren und ggf. korrigieren und bitte um Nachsehen für evtl. Fehler. Gute Nacht!

Die Kommentare sind geschloßen.