Wir warten auf Nachwuchs

Wir warten auf Nachwuchs

Heute ist bereits der 51. Tag der Trächtigkeit von Vicky. Bei ihrer ersten Trächtigkeit hat sie schon am 57. Tag geworfen. Also vielleicht nur noch 6 Tage? Charlie und Luise warten auf jeden Fall schon genauso gespannt wie wir. Übrigens haben bereits ab dem zweiten Trächtigkeitsmonat das Wachstum der Hundebabys und damit der Bauchumfang von Vicky ständig zugenommen. (Hilmar zeigt sich solidarisch mit ihr) Auch ihre Zitzen wurden dicker (da endet seine Solidarität).

So wie das Herz der Welpen schon früh zu schlagen anfängt, wie wir beim Ultraschall erleben durften, übernehmen auch viele andere Organe bereits im Mutterleib ihre Funktion. Wichtig aus verhaltensbiologischer Sicht ist hier vor allem das Gehirn. Schon im Mutterleib werden nämlich die Gehirnnerven weitgehend vollständig angelegt und übernehmen teilweise schon ihre Funktion. Einer der Sinne, der schon im Mutterleib entwickelt ist, ist z.B. der Geschmackssinn. Das wurde anhand von Versuchen festgestellt, in denen die Geschmacksvorlieben der jungen Hunde später getestet wurden, nachdem sie schon im Mutterleib mit bestimmten Stoffen konfrontiert worden waren.

Ein anderer Sinn, der in dieser Zeit funktioniert, ist der Tastsinn. Die kleinen Hundebabys können also schon in der Gebärmutter Berührungen fühlen. Welpen von Hündinnen, die während der Trächtigkeit viel gestreichelt wurden bzw. wenn sie in der Gebärmutter durch den Mutterbauch hindurch, „gestreichelt“ wurden, neigen dazu, nach der Geburt für Berührungen empfänglicher zu sein., Das nennt man den sogenannten „Streicheleffekt“. Die Welpen werden dadurch in ihrem Verhalten viel ausgeglichener.

Es gibt auch Hinweise, dass sich dieser Streicheleffekt über das Nervensystem später auf eine bessere Bindung zum Besitzer/Menschen auswirkt. Vicky genießt es sehr, wenn sie ihren Bauch gestreichelt bekommt, und dann tut man ihr doch gern diesen Gefallen, wenn man z.B. abends zusammen auf dem Sofa liegt. Wir spüren schon die kleinen Strampelpeter, sie scheinen sehr aktiv zu sein.

Bei tragenden Hündinnen von Massenvermehrern fehlt dafür die Zeit, Muße und persönliche Bindung. Es ist kein Interesse vorhanden, einer Hündin und damit auch den Welpen, auf diese Art und Weise etwas Gutes zu tun. Das ist eines von vielen Beispielen, die zeigen, wie viel Einfluss der Züchter auf die späteren Welpen hat und leider wird dieser Einfluss meist viel zu wenig beachtet.

Wird ein Welpe geboren, so bringt er nicht nur seine Erbanlagen mit auf die Welt, sondern auch schon Eindrücke, die er im Mutterleib gesammelt hat. Er nimmt Vibrationen, Licht und gedämpfte Geräusche wahr, merkt auch, ob die Mutter glücklich oder stark gestresst ist. Beschleunigt sich z.B. der Herzschlag der Mutter oder steigt ihr Blutdruck an, dann kommt es zur vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, die über die Nabelschnur auch an die Embryos weitergegeben werden und bei ihnen ebenfalls Stress hervorrufen.

Aktuelle Studien belegen, dass Störungen während der Schwangerschaft wie psychischer Stress, Mangel- und Fehlernährung oder die medikamentöse Einnahme von Stresshormonen (Cortison) den späteren Gesundheitszustand des Heranwachsenden direkt beeinflussen und das Risiko für altersbedingte Krankheiten wie z.B. Arteriosklerose, Diabetes, Demenz und Schlaganfall erhöhen.

Überfüllte Räume in der Tragezeit rechtfertigen die Voraussage, dass der so heranwachsende Nachwuchs wahrscheinlich extreme Furcht und eine Tendenz zur Überreaktion auf neue Geschehnisse aufweisen wird. Es ist auch erwiesen, dass die Empfindlichkeit auf extreme Geräusche nicht nur genetisch bedingt ist. Aber auch ein Defizit von Magnesium, Kalzium oder Vitamin B erhöht die Stressempfindlichkeit.

Nicht zu bewältigender Stress des Muttertieres führt also während der Trächtigkeit über Hormonwirkungen zu Veränderungen in der Gehirnentwicklung des Embryos, was dann im späteren Leben der Nachkommen erhöhte Ängstlichkeit und Aggressivität sowie Einschränkungen im Lernverhalten bewirken können.

Das heißt jedoch nicht, dass die tragende Hündin in Watte gepackt werden muss. Denn Trächtigkeit ist keine Krankheit und darf nicht zum Überbehüten verleiten. Angemessene Bewegung und Beschäftigung wird genauso gebraucht wie emotionale Sicherheit und Vertrautheit.

Hier und da etwas Stress ist deshalb durchaus sinnvoll, denn auch die biochemischen Abläufe im Stresszustand werden schon beim Hundebaby in der Gebärmutter trainiert. Ab und zu leichter Stress bewirkt, dass die Tiere später viel besser mit Stress umgehen können. Fluchtverhalten in der Wildnis kann somit auch positiver Stress sein, da das Ungeborene mit dieser später auf es zukommenden Situation bereits konfrontiert wurde. Wo schädlicher Stress anfängt muss ich als Züchter erkennen, da ich meine Hündin am besten kenne. Ist z.B. der gewohnte Spaziergang mit dem Rudel aufgrund ihrer Trächtigkeit Stress für sie oder ist dies eher der Fall, wenn ich sie nicht mitnehme? Wir lassen Vicky entscheiden. Manchmal will sie mit, manchmal will sie lieber ihre Ruhe haben und manchmal geht sie lieber alleine mit Carmen spazieren.

Versuche mit Ratten haben ergeben, dass milder Stress in der Trächtigkeit dazu führte, dass die Babys später nach der Geburt stress- und krankheitsresistenter waren. Starker Stress führte hingegen dazu, dass die Jungen stressanfälliger waren und auch noch sehr viel weniger gut lernen konnten.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass im Mutterleib bereits die Weichen für das weitere Leben gestellt und die Veranlagung für bestimmte Krankheiten geprägt werden. Deshalb ist es von großer Bedeutung, wie sich die Hündin während der Tragezeit fühlt oder gefühlt hat. Man muss die Schwangerschaft also so positiv wie möglich gestalten. Und dafür geben wir wie immer alles in unserer Macht stehende – nicht wahr Vicky?

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