Alle Welpen des K-Wurfes haben uns verlassen

Alle Welpen des K-Wurfes haben uns verlassen

An diesem Samstag hat uns nach Kenzo und Kaya mit Khan der letzte Welpe des K-Wurfes verlassen. Es herrscht deshalb große Traurigkeit bei uns, aber auch Zufriedenheit, dass alle 6 ein schönes neues Zuhause gefunden haben. Wir haben wieder alles gegeben, sind platt und urlaubsreif. Danke an Alle, die uns mit unterstützt haben, besonders natürlich Carola.

Die Berichte und Fotos, mit denen wir für Euch unseren K-Wurf begleitet haben, enden nunmehr. Wir haben Euch umfassende wichtige Informationen über die weitere Entwicklung Eures Welpen im 1. Lebensjahr an die Hand gegeben. Beachtet und beherzigt sie. Dann kann nichts schief gehen.

Zwei Kleidungsstücke von den uns von Euch überlassenen wichtigen Geruchsträgern blieben zurück. Das blaue T-Shirt gehört Elly, das rote Top ? (Es sind wirklich alle Welpen gegangen)

Unsere Informationen an Euch haben wir aus der Summe unserer Erfahrungen geschrieben, die uns das Leben mit Hunden gelehrt hat und dem Wissen, dass wir aus Büchern, wissenschaftlichen Studien und Feststellungen anderer gesammelt haben.

Mit vielen Informationen davon haben wir auch bei diesem Wurf (zumindest) versucht, viel neues Wissen, die Philosophie, die geleistete Mühe und freudvolle „Arbeit“ sowie die Schwerpunkte unserer Aufzucht im Langhaar Schäferhunde Zwinger „von der Schüpfer Hexe“ in Bild- und Schriftform aufzuzeigen und wichtiges Wissen darüber Euch und auch anderen Interessierten an die Hand zu geben. Vor allem, was im entscheidenden 1. Lebensjahr des Hundes geschieht und zu beachten ist, müssen unserer Meinung nach so viele Hundemenschen wie möglich wissen. Auch wollten wir natürlich eine Lanze brechen für den als Rassehund gezüchteten Deutschen Langhaar Schäferhund und uns positiv von vielen anderen Züchtern abheben.

Am 6.3.1994 fiel unser 1. Wurf und viele Informationen/Erfahrungen wurden seitdem von uns zusammengetragen, ergänzt und verändert. Sie stammen von anerkannten Fachleuten, Wissenschaftlern, Experten und Verhaltensforschern sowie natürlich von uns selbst. Namentlich zu erwähnen sind besonders Eberhard Trumler, Günter Bloch, Viviane Theby, Thomas Baumann, Patricia B. McConnell, Ulrich Klever, Cesar Millan, Paul Owens, Gudrun Feltmann, Renate Jones, Marianne Kiack-Knöfel, Madeleine und Rolf Franck, Heinz, Alexandra und Dina Weidt.

Da jeder Welpenkäufer seinen Traumhund haben möchte, der sein Leben fortan bereichern soll, bedeutet dies für uns Züchter, dass wir nicht nur einen, sondern gleich mehrere Hunde züchten müssen, die den Kriterien eines potenziellen Traumhundes genügen. Denn egal, ob der Wurf 3, 6 oder 10 Welpen hat, die Erwartungen des einzelnen Welpenkäufers bleiben dieselben.

Wenn einer unserer Welpen den Zwinger von der Schüpfer Hexe verlassen hat, in dem sich sein bisheriges Leben abgespielt hat, ist er entwöhnt und hat eine ausreichende Selbständigkeit erreicht. Er hatte jedoch seit seinem 1. Tag immer engen Kontakt zu seinem Menschen-/Hunderudel. Diesen Kontakt braucht er unbedingt auch weiterhin. Man muss ihn deshalb mit sich zusammenleben lassen, ohne dass er als sogenannter Stubenhund verwöhnt und vermenschlicht wird.

Mit der Trennung eines Welpen von seinen Wurfgeschwistern, seiner Mutter und seiner bisherigen Entwicklungsumwelt entsteht ein Bruch, für den es in der Natur kein übertragbares Beispiel gibt. Er kommt nunmehr in eine neue unbekannte Umwelt, in der er sich langsam zu Recht finden muss. Der Wechsel vom Züchter und der Mutter zum neuen Fürsorgegaranten ist deshalb für den Welpen weit belastender als verbreitet angenommen. Man sperrt ihn deshalb nicht wie früher nachts in einen Zwinger oder seperaten Raum und lässt ihn bis zur Erschöpfung schreien. In der Natur bedeutet es den Tod für den Kleinen, wenn er sein Rudel in diesem Alter verliert. Und das genau empfindet er bei einer Trennung von uns.

Es liegt deshalb an Euch, ihm diese Übergangsphase überbrücken zu helfen. Man muss ruhig mit ihm umgehen, braucht ihn nicht anzuschreien und muss auch mal nachsichtig sein, wenn ein Malheur in der Wohnung geschehen sollte. Der Aufbau einer neuen, wirklich innerlich verbindenden Partnerschaft ist gerade in den Anfängen besonders störanfällig.

Gleichmäßigkeit im Tageslauf geben dem Hund Orientierung und Sicherheit, vor allem während der Eingewöhnung und während des Heranwachsens. Schon vor dem Abholen des Welpen empfiehlt es sich, einen Plan aufzustellen, abgestimmt auf unser Alltagsleben. Hunde sind Routine-Tiere, die eine Art „Berechenbarkeit“ aus dem Alltag mit uns ableiten. Also z.B.: Begrüßung morgens am Bett, aufstehen, kurz rauslassen für die Hundetoilette, frühstücken, spazieren gehen, danach Ruhe usw.

Wenn wir keinen derartigen Alltagsplan haben, sondern ständig spontane oder willkürliche Entscheidungen treffen, ist dies besonders für einen jungen Hund nicht berechenbar. Das Tier kann konfus werden und massiven Stress erleben. Routineabläufe helfen dagegen, Stresssituationen einzuschränken.

Auch mit dem Konzept von guten Prägungsspieltagen, auch Welpenspiel-stunden genannt, kann hier ein gewisser Ausgleich geschaffen werden.

Das bisher Erfahrene reicht nicht für das ganze Leben, sondern muss immer wieder erneuert werden. Allerdings bewirkt eine gute Sozialisation, dass eine solche Auffrischung mit viel weniger Aufwand möglich ist. Dies gilt auch für andere Tierarten. Hunde können jedoch nur schlecht verallgemeinern. Wenn eine Katze zum Rudel gehört, gilt das noch lange nicht für alle anderen Katzen.

Das Großwerden der Welpen braucht Zeit und soziale Netze. Genau wie Kinder entwickeln sich nicht alle Welpen mit der gleichen Geschwindigkeit. Deshalb muss man sicherstellen, dass die soziale Erziehung des Welpen mindestens das ganze erste Lebensjahr lang fortgesetzt wird, besser noch bis zur Geschlechtsendreife bei ungefähr 2 Jahren.

Da nunmehr jeder Welpe unterschiedliche Dinge erlebt, werden sich die Welpen des K-Wurfes auch alle unterschiedlich weiter entwickeln. Allgemein ist es am besten, wenn ein Welpe die Umgebung, in der er einmal leben soll, spätestens im dritten Lebensmonat kennen lernen sollte.

Unserer eigene Erfahrung nach ist es jedoch meist so, dass vielmehr die genossene Sozialisation und die Bindungsbereitschaft an den Menschen darüber entscheiden, ob ein Welpe überhaupt unter der Trennung leidet. Die meisten unserer Welpen verlassen uns um die 8. LW herum und bisher wurde uns nicht von besonderen Stresssymptomen berichtet, alle stellten sich neugierig dem neuen Abenteuer und schlossen sich vertrauensvoll ihren neuen Menschen an, die sie ja meistens schon von vorher stattgefundenen Besuchen kannten.

Denn 1 Woche vor der Abgabe wird von uns gerne der Wildpark oder wie dieses Jahr, der Brombachsee mit den Welpen und ihren neuen Besitzern aufgesucht, eine optimale Möglichkeit mit seinem Welpen diesen Besuch in Begleitung seiner Mutter, den Geschwistern und uns durchzuführen und so eine erste intensivere Bindung herzustellen.

Unserer Meinung nach sind Welpen mit 8 LW in den meisten Fällen nicht nur bereit für das Abenteurer des Umzugs, sie profitieren vielmehr von der nun folgenden Einzelbetreuung durch ihren neuen Besitzer. Sie fokussieren sich auch nicht zu sehr auf Hunde (Eltern, andere Geschwister, andere Hunde des Züchters) statt auf Menschen und können das Alleinbleiben leichter lernen, denn bei uns hatten sie ja den Luxus ständiger Gesellschaft.

Die bei uns aufgezogenen Welpen finden es i.d.R. gut und akzeptieren es auch, neue Erfahrungen machen zu dürfen. Sie gehen durch diese Welt und sind aufgeschlossen dafür, sich jeder neuen Herausforderung zu stellen, weil sie erwarten, dass sie grundsätzlich positiv für sie ausgehen werden.

Jeder von Euch soll seinen Hund nicht nach irgendeiner Schablone formen, sondern ihn eher ermuntern, seinen eigenen, einzigartigen Hundecharakter zu entwickeln. Und nicht vergessen: Keiner kennt unseren Hund besser als wir selbst. Hören wir immer wieder auf unser Bauchgefühl.

Und zu unserer Beruhigung meint der bekannte Hunde- und Wolfsexperte Günter Bloch folgendes: „Alles richtig zu machen, ist eine Illusion. Das schaffen noch nicht einmal routinierte Kanideneltern. Und die verhalten sich in der Tat meist wie ein Schweizer Uhrwerk: zuverlässig und professionell. Kein Mensch weiß alles über Hundeverhalten. Niemand hat einen Ausschließlichkeitsanspruch auf „Ahnung haben“ oder „keine Ahnung haben“. Genau deshalb lautet unser allererster Tipp: Orientieren Sie sich in verantwortlicher Form am Machbaren. Wer unentwegt auf der Suche nach dem perfekten Hund ist, wird Schiffbruch erleiden! Jeder Hund ist etwas Besonderes und verdient einen Menschen, der ihm erlaubt, so zu sein, wie er ist – sei es lieb und etwas schüchtern oder kühn und keck. Es wäre nicht fair, von ihm zu erwarten, perfekt zu sein. Und nein, wir haben ihn leider nicht gefunden, den überall passenden Verständigungsschlüssel zu allen Haushunden dieser Welt. Was wir Ihnen aber guten Gewissens anbieten können, sind einige hoffentlich gut verständliche Richtlinien“.

Lassen wir dem Welpen Zeit, uns kennenzulernen und sich in unserer Gegenwart wohlzufühlen, und geben ihm die Gelegenheit, sich unsere Zuneigung zuerst zu verdienen. Er darf sie nicht einfach geschenkt bekommen. Am besten dem Welpen gar nicht zeigen, wie gern wir ihn haben und wie glücklich wir mit ihm sind.

Man muss wissen, dass man mit sofortigen Liebesbezeugungen niemand anderem einen Gefallen tut als sich selbst. Denn wir befriedigen damit nur unsere eigenen Bedürfnisse, er ist ja schließlich so süß und niedlich. Auch ist ja bewiesen, dass Blutdruck und Puls sinken und chemische Substanzen freigesetzt werden, die uns beruhigen und uns helfen, die Folgen von Stress zu bekämpfen. Doch wenn wir einem Hund, den wir kaum kennen, sofort bedingungslose Zuneigung schenken, bringen wir unsere Beziehung zu ihm damit unter Umständen ernsthaft aus dem Gleichgewicht. Verhaltensprobleme des Tieres nehmen oft mit einer solchen schlichten Kontaktaufnahme ihren Anfang. Der erste Eindruck spielt bei den Hunden eine ebenso große Rolle wie in der menschlichen Welt.

Weiterhin muss man noch wissen, dass beim ersten Kontakt mit dem Welpen, den man sich herausgesucht hat, dieser Informationen über einen beim Beschnuppern gesammelt hat. Er lernte nicht nur unseren Geruch, sondern auch dessen alles entscheidende Energie kennen. Unter Umständen fand er ihn nicht besonders interessant und machte sich auf die Suche nach anderen, faszinierenderen Gerüchen. Oder er blieb gleich bei uns, um uns noch näher kennenzulernen. Erst wenn sich der Hund entschlossen hat, Kontakt zu einem aufzunehmen, indem er uns berührte oder sich an uns drückte, sollten auch wir unsere Zuneigung bekunden, nicht früher. Das hat nach unseren Beobachtungen sehr gut geklappt.

Wenn wir einen Welpen zu uns holen, sind wir für ihn erstmals die überlegenen Alttiere. Er findet sehr schnell heraus, wer der wahre und wer der scheinbare Boss ist und richtet sein Leben danach ein. Er ist ein Beobachter, der der sich durch nichts täuschen lässt. So lässt er die Dinge von Natur aus so geprägt bis zum 9. Monat laufen. Dann aber beginnt er sich erstmals aufzulehnen, wenn er in der Familienstruktur Missstände beobachtet hat und an der Rudelführung zu zweifeln beginnt.

Wenn sich der Hund vor unsere Füße legt, handelt es sich um eine besondere Form des sozialen Kontaktes, vergleichbar mit dem Verhalten, wenn er seinen Kopf auf unser Knie oder in unseren Schoß legt. Er sucht unsere Nähe und darüber können wir uns freuen. Ein Hund kann damit jedoch auch Aufmerksamkeit einfordern und ziemlich penetrant sein, deshalb genau hinschauen und ggf. den Kontaktversuch nicht gestatten.

Wenn uns unser Hund abschleckt, mit der Nase gezielt gegen unser Gesicht stupst, ist das Schnauzenzärtlichkeit und sagt uns, dass er sich uns freundschaftlich unterwirft. Wenn wir hierbei den Kopf wegdrehen, beleidigen wir ihn nicht, wir sagen ihm dann nur, dass wir so hoch über ihm stehen, dass wir diese Geste gar nicht nötig haben. Strafen und schimpfen sollten wir aber nicht, denn es ist ja keine Unart. Wir müssen ihn davon auf freundliche Weise überzeugen, dass wir seine Geste zwar gut verstehen, aber in dieser Form nicht haben wollen. Ein Hund wird völlig unsicher, wenn wir ihm menschliche Gefühle entgegenbringen.

Wir nutzen den natürlichen Folgetrieb und leinen den Welpen beim Spaziergang nicht an. Er soll lernen, auf seine Bezugsperson zu achten und ihr zu folgen, ohne dass wir ihn ständig rufen müssen. Er darf schnuppern und bekommt die Möglichkeit, Unbekanntes kennen zu lernen und einzuordnen oder Bekanntes erneut zu prüfen. Dadurch findet die bedeutende Angstbewältigung statt. Er wird gelobt, wenn er von sich aus zu uns kommt. Es darf auch ein kleines Spiel oder eine bestätigende Geste sein. Dadurch fühlt sich der Welpe in seinem Verhalten bestärkt. Der Welpe wird künftig immer wieder freudig und aufmerksam den Sichtkontakt halten und/oder unaufgefordert herkommen. Es gibt normalerweise keinen Welpen, der bei Distanzvergrößerung einfach ruhig weiter schnüffelt. Es gehört einfach zur Arterhaltung des Hundes, dass er den Anschluss an das Rudel nicht verliert. Dieses instinktive Verhalten und Wissen ist in fast allen Welpen abrufbar. Benutzt immer wieder einmal die Euch mitgegebene Pfeife, auf die euer Welpe konditioniert ist. Sie ist ein sicheres Mittel zum Herkommen. Vergesst dabei die besondere Belohnung nicht.

Wenn ein Rudel Wölfe zur Jagd aufbricht gibt es viel Herumgerenne und ein Gerangel um Positionen, aber letztendlich ist immer das Alphapärchen mit hoch erhobenen Köpfen und Schwänzen vorne. Immer führt es das Rudel auf der Suche nach Beute an. Die Wölfe klären hier noch einmal die Rollenverteilung. Die Rudelmitglieder holen sich den Adrenalinstoß für die Jagd durch den wilden ungestümen Beginn, werden nach einiger Zeit zur Ordnung gerufen und daran erinnert, dass es ihre Aufgabe ist, ihnen zu folgen. Kein Rudelmitglied positioniert sich vor den Alphatieren und will immer vor ihnen laufen.

Wir lassen ihn deswegen nicht als Erster durch die Tür drängeln, denn das ist unsere Aufgabe als Anführer. Ohne Leine rufen wir ihn zu uns und belohnen ihn für sein Kommen. Wenn der Spaziergang beginnt, darf er niemals voraus rennen, denn sonst glaubt er Rudelführer bei der bevorstehenden Jagd zu sein. Deshalb muss er gerade zu Beginn strikt neben uns oder hinter uns bleiben.

Drei Kardinalfehler in der Körpersprache des Menschen führen immer wieder dazu, dass ein Welpe oder Junghund keine intensive Bindung aufnehmen kann:

  • Der Welpe kommt zum Besitzer gelaufen. Dieser bleibt zunächst aufrecht stehen und begrüßt dann den Welpen, indem er sich – bei weiterhin durchgedrückten Knien – von oben herab zu seinem Welpen nach unten beugt.
  • Der Welpe kommt zum Besitzer gelaufen. Dieser geht seinem kleinen Vierbeiner auf den letzten Metern freudestrahlend entgegen.
  • Der Welpe erkundet auf dem Spaziergang neugierig schnüffelnd seine neue Umwelt. Der Besitzer geht ständig hinter seinem Welpen her, um ihn nicht zu verlieren und um ihn vor möglichen Einflüssen aus der Umwelt zu schützen.

Was Hunde nicht verdient haben, ist ständig aktiv sein zu müssen. Aktionen sind prima, Herumgammeln, Dösen, Schlafen und Träumen allerdings auch. Schnüffeln dürfen wollen sie, auch mal unkommentiert, Erkunden gehen wollen sie, auch mal selbständig. Markieren wollen sie und Kumpels treffen, auch mal ungestört nach Mäusen buddeln wollen sie. Wenn irgend machbar, das Ganze auch mal ohne jede zielführende Anleitung durch den Menschen. Und dann wollen sie anschließend wieder mit uns arbeiten und abhängen. Hunde bauen, wie wir Menschen ja auch, zu ihrem vertrauten Innenrevier spezifische Beziehungen auf. Nach dem Spaziergang wieder „nach Hause“ kommen ist auch für sie ein schönes Gefühl. Hunde, die innerhalb des ihnen bekannten Hauses mit uns sogar ins Badezimmer oder auf dem WC müssen, zeigen jedoch keine gute Bindung. Sie sind lediglich unsicher.

Junge Wölfe unternehmen frühestens ab Ende des dritten Lebensmonats Erkundungsausflüge ohne die Eltern, die bis zu 3 Kilometer von den Eltern wegführen können. Für Wolfseltern ist es selbstverständlich, dass sich ihre Welpen auch mal individuell entwickeln dürfen. Deswegen muss der Hund auch mal Hund sein dürfen. Wir brauchen ihn nicht ständig kontrollieren oder an ihm herum fuhrwerken oder ihm ein 24 Stunden-Animationsprogramm bieten. Er muss auch einmal etwas eigenständig entscheiden dürfen.

Jungwölfe beriechen ihren eigenen Kot und prägen sich damit den eigenen Geruch ein. Dies nutzen sie dann als Orientierungshilfe, um wie bei einer Schnitzeljagd wieder nach Hause zu finden. Sie laufen dabei nicht in der eigenen Spur.

Wolfswelpen werden in der Höhle recht häufig alleine gelassen und heulen dann schon mal ganz jämmerlich. Sie lernen jedoch, dass man auch einmal warten und Frust ertragen lernen muss. Dies gehört zur normalen Lebenserfahrung dazu.

Wolfseltern ignorieren ihren Nachwuchs nie über längere Zeit und sind nie nachtragend. Sie sind Meister des perfekten Timings und bestrafen zur rechten Zeit, also genau in der Sekunde, wo es passiert ist. Längerfristiges Ignorieren kommt einer sozialen Isolation gleich. Kurzfristiges Ignorieren kann jedoch gezielt immer mal eingesetzt werden, z.B. wenn er uns anbellt, um unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen. Eines der Haupthobbys von Wölfen ist schlafen. Kaniden verschlafen zwei Drittel ihres Lebens.

Besonders Jungtiere, deren Bänder, Sehnen und Knochen noch nicht voll entwickelt sind, brauchen viel Schlaf, da dieser zum seelischen Gleichgewicht beiträgt. Unser Welpe benötigt also einen ruhigen Platz, auf den er sich zurückziehen kann, wann immer er will. Manchmal müssen wir sie auch zum Schlafen zwingen, so wie überdrehte kleine Kinder. Dann nehmen sie gemeinsam eine Auszeit, nehmen den Kleinen auf den Schoß und halten ihn fest, bis er wieder ruhig geworden ist.

Während der 7.-12. Lebenswoche besitzt der Welpe übrigens die günstigen Fähigkeiten eines erwachsenen Hundes. Es ist die beste Zeit für die Ausbildung, er ist fähig, Dinge zu lernen und Regeln des Gehorsams anzunehmen. Jedes Ereignis wird sich tief bei ihm einprägen. Auch die Lernfreude muss hier festgelegt werden. Wir freuen uns über jeden kleinen Fortschritt und lassen es ihn auch merken.

Ein Hund, der keine Möglichkeit hat, etwas zu lernen und seine angeborenen Fähigkeiten auszuleben, der stumpft ab und verkümmert seelisch.

Der Vaterrüde schüttelt die Welpen in der Sozialisierungsphase täglich 1-3mal kräftig durch. Dies scheint den kleinen Rackern sehr gut zu tun, denn es entwickelt sich eine Unterordnung und Beziehung, die nicht von Angst oder besonderer Unterwürfigkeit geprägt ist. So lernt der Welpe die Größe und Stärke des Überlegenen zu respektieren, ohne zum neurotischen Kriecher zu werden, wie das sehr schnell durch Hundebesitzer passiert, die meinen, man könnte ihm den notwendigen Respekt auch mit dem Stock einbläuen.

Unser Disziplinieren im Sozialisierungsalter soll dazu beitragen, das Band zwischen uns und dem Hund zu festigen und die Grundlage für ein absolutes Vertrauen herzustellen. Der Welpe fühlt sich nur in einer Gemeinschaft wohl, die von einem erfahrenen Starken angeführt wird. Artgemäßes Disziplinieren wird von ihm durchaus positiv empfunden.

In der Sozialisierungsphase wird die Unterordnung entwickelt, geschieht das nicht, dann können wir kaum mehr als eine erzwungene Unterwürfigkeit erreichen. Lernen wir also aus dem Verhalten des Rüden und ersetzen wir ihn unserem Welpen, wenn wir ihn im Alter von 8 Wochen zu uns holen.

Er ist in einem Alter, in dem er Ordnung und Disziplin nicht nur versteht, sondern sogar danach verlangt. Dreimal im Genick gepackt und ein drohendes NEIN oder besser, unser Zischlaut (Warnton in der Natur), dann brauchen wir unsere Hand nicht mehr, das gesprochene Verbotswort bzw. der Zischlaut ersetzen sie. Einen Klaps nicht vor der 12. Lebenswoche geben.

Das Korrekturwort „Nein“ oder besser der scharfe Zischlaut sollen den Welpen dazu veranlassen, mit dem, was er gerade tut, aufzuhören.

Sein Name ist nur positiv zu hinterlegen. Wir bestrafen ihn nicht, wir nehmen ihm nur den Erfolg.

Mit dem „It’s-your-choice-Spiel“ der kanadischen Hundetrainerin Susan Garrrett lässt sich die Selbsthemmung des Welpen verbessern. Wenn ein Welpe versucht ein Futterstückchen auf unserer offenen Hand aufzunehmen, schließen wir unsere Hand. Solange er durch Knabbern, Lecken oder Einsatz seiner Pfote, an das Futter zu gelangen versucht, bleibt die Hand geschlossen. Sobald er davon ablässt und Abstand zur Hand hält, wird sie wieder geöffnet und wir geben ihm mit der anderen Hand das Futter zum Fressen. Dabei nicht die Hand wegziehen und auch mit dem Welpen nicht sprechen oder ihn loben. Er wird dadurch lernen, dass es erfolgreicher ist, sich zurückzunehmen anstatt aufdringlich zu sein. All diese Erfahrungen werden sich auf die generelle Erregungsbereitschaft des Welpen auswirken.

Schäferhunde haben i.d.R. ein stabileres Wesen als viele andere Rassen. Man trifft bei ihnen wohl deshalb auch nur selten phobisches Verhalten an.

Normale Hunde, die von nervösen Müttern aufgezogen wurden, wurden selbst nicht nervös, während Welpen von nervösen Müttern immer ängstlich waren, egal, wer sie aufzog.

Studienergebnisse aus der modernen Hirnforschung belegen zweifelsfrei, dass Kaniden durchaus gefühlsbetont handeln, indem sie sich in die emotionale Lage ihres Gegenübers hineinversetzen. Sie sind unbestritten in der Lage, Empathie zu empfinden.

Weitere Hinweise für den Einfluss der Genetik auf ängstliches Verhalten finden sich in einem überraschenden Zusammenhang zwischen ihrem Temperament und der Frage ob sie rechts-, links- oder beidhändig sind. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Menschen, die keine bestimmte Hand bevorzugen, häufiger als normal unter generalisierten Angststörungen leiden. Eine aktuelle Studie zu Geräuschphobien bei Hunden kam zu ähnlichen Ergebnissen: Hunde, die also keine bestimmte Pfote bevorzugten, um z.B. ein mit Futter gefülltes Spielzeug zu stabilisieren, damit sie es besser ausschlecken können, hatten öfter Geräuschphobien als Hunde, die Rechtspfötler oder Linkspfötler waren.

Bei Menschen wird die Händigkeit vererbt, und wir können mit gutem Grund annehmen, dass es bei Hunden genauso ist. Wenn Beidhändigkeit mit einem erhöhten Risiko für generalisierte Angststörungen einhergeht, wird die Störung selbst mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls weiter vererbt. Übrigens waren 21 von 48 untersuchten Hunden Linkspfötler, 16 waren Rechtspfötler und 11 bevorzugten keine bestimmte Pfote. Ganz anders bei den Menschen: Hier sind nur etwa 10% Links- oder Beidhänder und 90% Rechtshänder.

Zum Thema Kastration können wir sagen, dass wir es nur bei sexuell hyperaktiven Rüden verstehen können. Untersuchungen haben übrigens ergeben, dass Rüden (wenn überhaupt) geringfügig aktiver waren als Hündinnen. Kastrierte Rüden waren dagegen deutlich schwerer zu trainieren, ihre Lernfähigkeit ließ sehr zu wünschen übrig, im Gegensatz zu Hündinnen, wo nur eine geringfügige Veränderung festzustellen war. Erst 4 Monate nach einer Läufigkeit eine Hündin kastrieren lassen.

Ein Welpe, der sich erbricht oder nicht frisst, dürfte krank sein. Wenn er herumläuft, spielt und nur ein klein wenig Durchfall hat, dürfte vermutlich alles noch in Ordnung sein. Bei Durchfall Reis mit einem Löffel Quark futtern oder Griesbrei mit Wasser und Rinderpansen pur. Konzentrierte Lösungen von Chinin oder Sucroseoctaacetat genügen in kleinen Mengen, um Hunde vom Lecken oder Knabbern abzuhalten.

Alle Hunde haben den angeborenen Wunsch zu graben, die einen mehr, die anderen weniger. Graben kann zum Ventil für Stressabbau, Langeweile oder Angstabbau werden. Wir dulden dies auf stillgelegten Flächen oder an Wegrändern und lassen sie auch der Mäusejagd frönen. Im Garten kann man einen Sandbereich einrichten und immer wieder mal etwas darin zum Suchen und Ausgraben verbuddeln.

Die häufigste Frage lautet: Was ist das Minimum an Bewegung, das ich meinem Hund geben muss, ohne mich schuldig fühlen zu müssen. Aber da gibt es keine allgemeingültige Antwort. Alter, Rasse und individuelle Persönlichkeit. Viele der heute auftretenden Verhaltensprobleme gäbe es nicht, wenn diese Hunde mehr Bewegung hätten. Von uns Menschen wissen wir, dass körperliche Bewegung weit mehr bewirkt, als unsere Herzen bis ins hohe Alter fit zu halten. Bewegung hebt die Stimmung, stärkt das Immunsystem und baut Stress ab. Warum sollte dies bei unseren Hunden anders sein?

Bis zum Alter von sechs Monaten den Hund am besten seine Bewegungen selbst bestimmen lassen. Das Springen über Hürden und Ausdauertraining nicht vor einem Jahr beginnen bzw. fördern.

Eine Stunde Bewegung am Tag in Form von freiem Laufen erfüllt die im Tierschutzgesetz geforderte artgerechte Bewegung. Dies ist unsere Rechtsgrundlage für das leinenlose Bewegen unserer Hunde, wenn uns jemand in Baden-Württemberg weis machen will, dass Hunde an die Leine müssten. Leinenzwang gibt es nur in bestimmten Bereichen wie Naturschutzgebiete, Parks in Städten etc.

Gemeinsame Spaziergänge sind für den Hund vielleicht die schönsten Momente seines Hundelebens. Und was tun wir? Wir beobachten ihn vielleicht, erfreuen uns an seinem Anblick oder schwatzen mit einer anderen Person. Wenn wir uns stattdessen einbeziehen in den Spaziergang, erreichen wir, dass er dieses positive Erleben auf uns bezieht, so dass wir ein Teil dessen werden, was für ihn das Größte ist. Spielen wir Nachlaufen oder Verstecken mit ihm oder werfen etwas, was er holen oder suchen kann. Wenn wir ihn sich selbst überlassen, fördern wir nur seine Unabhängigkeit.

Artgerecht ist für den Hund, mit dem Menschen eng zusammenzuleben, was aber auch bedeutet, dass wir alles daran setzen sollten, unserem Hund regelmäßigen Kontakt zu Artgenossen zu erlauben. Kein Mensch ist nämlich in der Lage, so nuanciert zu spielen, wie Hunde miteinander.

Wichtig: Es gibt keinen generellen Welpenschutz. Deswegen muss man sich die Körpersprache eines sich nähernden Hundes genau ansehen. Nähert er sich mit einem Ausdrucksverhalten von aggressiver Gestik und Mimik, also aufgeplustert, steifbeinig oder drohend oder schießt er stromlinienförmig pfeilschnell heran. Aggressive Hunde drücken Unmut und/oder Wut aus, heranjagende Hunde hingegen reagieren auf ein Beuteschema. Den Welpen nicht auf den Arm nehmen, sondern sich schützend vor ihn stellen und den Hund verjagen.

Der bekannte Hundeausbilder Thomas Baumann sagt: „Nach meiner über 50jährigen Erfahrung im Umgang mit zahllosen Hunden bin ich heute völlig davon überzeugt, dass die glücklichsten Hunde sehr häufig aus einer Haltung kommen, die nur mit 3 Worten umschrieben werden kann: „Rau aber herzlich“. Und rau bedeutet nicht grob oder sogar brutal sondern Geradlinigkeit, Konsequenz, Kompromisslosigkeit im Durchsetzen berechtigter Forderungen, Dominanz immer dann, wenn sie angebracht ist und Autorität, unter der man souveränes und konsequentes Durchsetzungsvermögen auch in kritischen Konfliktsituationen versteht.

Unter herzlich fällt jede Form der emotionalen Zuwendung dem Hund gegenüber wie partnerschaftliches Bewusstsein, Liebe, Zuneigung, Geborgenheit, Geselligkeit, Spiel, Vertrauen, Aufmerksamkeit, Lob und Streicheleinheiten sowie gemeinsames Ruhen.

Täglich 10 Minuten (situationsabhängig über den Tag verteilt) tatsächlich konsequenter, zuverlässiger Gehorsam bedeutet 23 Stunden und 50 Minuten Freiheit für den Hund. Genau das macht den tatsächlich glücklichen Hund aus. Und in den besagten 10 Minuten kann es durchaus auch mal rau und hart (nicht brutal) zugehen. Es überwiegt aber letztlich immer die Herzlichkeit im Umgang mit dem Hund. Erschreckend vielen Hunden fehlt eindeutig die Basis eines zuverlässigen Gehorsams. Damit gehen viele Stunden täglich einer möglichen Freiheit verloren, da diese Hunde immer wieder eingesperrt, weggesperrt, festgehalten oder in sonstiger Weise abgesichert werden müssen.“

Also packen wir es an!!! – „Rau aber herzlich“

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