Unsere Keinspitzwelpen wurden 2 Wochen alt

Unsere Keinspitzwelpen wurden 2 Wochen alt

Die Übergangsphase, auch transitionale Phase genannt, beginnt nunmehr und ist von einer rasanten Entwicklung zu mehr Unabhängigkeit gekennzeichnet. Die Augen haben sich geöffnet, sehen tun sie jedoch erst um den 16./17. Lebenstag herum etwas, trotzdem sind sie auch dann noch nicht voll sehfähig, weil die Retina erst mit 6 Wochen voll entwickelt ist.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Welpen, die nur in den ersten 2 Wochen Kontakt zu einem Menschen hatten, später auf andere Menschen völlig panisch reagiert haben. Nur der Mensch, mit dem sie in den ersten 2 Wochen Kontakt hatten, wurde akzeptiert. Zwar wurde er nicht als Sozialpartner oder als Artgenosse akzeptiert, aber, durch den Geruch, als etwas Bekanntes. Also haben wir begonnen, die Welpen auch mit anderen, ihnen bisher fremden Menschen zu konfrontieren.

Durch das Streicheln, Hochheben und Herumtragen durch den Züchter und seine Familienangehörigen wird bei uns vom l. Tag an eine erste positive Beziehung zum Welpen hergestellt. Dadurch kann das körperliche Wachstum um 10-20% verstärkt und die seelische Entwicklung merklich vorangebracht werden. Denn der Welpe besitzt ein so genanntes taktiles Körpergefühl und einen zunehmend besser arbeitenden Geruchssinn, der schon seit der Geburt aktiv ist.

Russische Wissenschaftler rieben das Gesäuge einer gebärenden Hündin mit einem Anisgetränkten Wattebausch ein und am nächsten Tag krabbelten die frisch geborenen Welpen bereits diesem hingehaltenen Wattebausch nach. Die amerikanischen Verhaltensforscher Scott und Fuller haben in Versuchen neugeborenen Welpen Essigsäure vorgehalten, worauf diese abwehrende Reaktionen zeigten. Sie leckten einen mit Fisch, Fleischsaft oder Milch bestrichenen Glasstab ab, wohingegen sie eine bitter schmeckende Substanz wie Chinin ablehnten.

Dies bedeutet außerdem, dass der Welpe bereits ein Gedächtnis haben muss, in dem er Informationen speichern kann. Der Geruchssinn ist mit dem limbischen System verbunden, jenem Teil des Gehirns, der für die Gefühle verantwortlich ist.

Eine gute Übung ist es auch, den Welpen in schön gewärmten Händen einschlafen zu lassen. Er sollte dazu nicht mehr hungrig sein. Diese Übung kann man sowohl machen, indem man den Welpen auf den Bauch als auch auf den Rücken legt. Es ist später für den erwachsenen Hund sehr sinnvoll, wenn er gelernt hat, in jeder Situation schlafen zu können.

Bringt man einen wachen Welpen z.B. rasch in die Rückenlage, so reagiert er instinktiv mit dem Abspreizen seiner Läufe. Die sog. Moro-Reaktion ist eine angeborene Reaktion bei Lageverlust und erlaubt dem Lebewesen, sich entsprechend der Schwerkraft im Raum zu orientieren und ggf. zu stabilisieren. Eine schwache oder fehlende Moro-Reaktion kann ein Hinweis auf eine Funktionsstörung des Gleichgewichtssinns bzw. des Nervensystems sein.

Den Tastsinn kann man stimulieren, indem man den Welpen schon jetzt an Ohren, Beinchen und Pfötchen berührt. So wird das später für ihn zur Selbstverständlichkeit. Wir lassen durch Vanni z.B. jetzt zum 1. Mal die Krallen schneiden, aber auch deswegen, damit Vicky nicht so sehr unter den scharfen Krallen leiden muss.

Auch unterschiedliche Oberflächen und Gerüche kann man den Welpen schon sekundenweise näher bringen. Später wird darauf aufgebaut.

Sowohl Menschen wie Hunde sind auf ein bestimmtes Maß an Stress angewiesen. Wir brauchen die Herausforderung, um gesund zu bleiben und uns weiterzuentwickeln. Untersuchungen haben gezeigt, dass Tiere, die gänzlich ohne den Stress physischer und emotionaler Reize aufwachsen, weniger graue Gehirnsubstanz ausbilden. Damit war bewiesen, dass fehlender Stress in der Tat ihre Gesundheit und Entwicklung negativ beeinflusste.

Es kommt aber auch darauf an, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen. Wenn es uns gelingt, die Wahrnehmung von Ereignissen zu verändern, reduzieren wir auch den negativen Einfluss, welchen Stress auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit hat.

Vicky erlaubt jetzt auch, dass unsere beiden anderen Kleinspitze Raycka und Kimba sich ihren Welpen nähern dürfen. Sie überwacht das Ganze natürlich sehr aufmerksam. Durch diese milden Stressoren trainiert der Welpe seine biochemische Antwort auf Stress. Ein so vorbereiteter Welpe wird später bestimmt auch mal stressige Situationen erleben, aber er weiß damit besser umzugehen. Außerdem sind in so einem Notfall aus Sicht des Körpers alle Stoffwechselvorgänge schnell darauf eingestellt, zeigen also eine optimale Reaktion, die dann aber auch zügig wieder Normalwerte annimmt. Bei einem Welpen, der sein biochemisches Stresssystem nicht in dieser Weise trainieren konnte, wird dieser viel träger reagieren und viel länger brauchen, bis wieder Normalwerte erreicht werden, was unter Umständen recht schnell zu psychosomatischen Erkrankungen führen kann, wie z.B. einer Schwächung des Immunsystems.

Umwelteinflüsse während den ersten Lebenswochen bestimmen, wie das Gehirn später arbeiten wird. Wie mittlerweile weitere Forschungsergebnisse belegen, kommt es durch entsprechende Umweltstrukturen zu bleibenden Veränderungen in den betreffenden Gehirnarealen. Das Sehen können unterliegt Lernprozessen, die sich innerhalb einer begrenzten Zeit vollziehen müssen. Das Gehirn braucht alle frühen Erfahrungen, die nötig sind, um sich ein inneres Bild von seiner äußeren Welt machen zu können. Visuelle Eindrücke werden zwar mit den Augen als Sensoren aufgenommen, das Sehen findet aber letztlich im Gehirn statt. Nur die Neuronen, die innerhalb bestimmter Zeiten in Anspruch genommen werden, vernetzen sich zu einem funktionierenden Ganzen.

Dort aber, wo die verschiedensten Zeitfenster der Entwicklung nicht oder nicht richtig genutzt werden, bilden sich die Gehirnzellen unwiederbringlich zurück. Durch Kontaktangebote und spielerische Aktivitäten gibt der Züchter den Welpen immer wieder unaufdringlich Gelegenheit, sich auf das prinzipiell fremde Artbild des Menschen einzustellen. Auch die Vertrautheit der Hündin gegenüber dem Züchter signalisiert den Welpen die Zusammengehörigkeit von Hund und Mensch.

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